Ein fliegendes Denkmal aus dem Herforder Verein für Luftfahrt e.V.
Warum ein in Herford gebautes Segelflugzeug unter Schutz gestellt werden soll.
(Bericht: Neue Westfälische Zeitung 25.03.2011) Herford. Mehrere Generationen von Flugschülern haben sich schon in der "Ka 8b" den Steuerknüppel in die Hand gegeben. Nach einem halben Jahrhundert dient das Segelflugzeug mit der markanten Schweizer Haube immer noch als Schulungsgerät beim Herforder Verein für Luftfahrt (HVfL). Zeit also, um ein "bewegliches technisches Denkmal" zu werden.
Das jedenfalls dachten sich die Freizeitpiloten des Vereins, der im kommenden Jahr sein 100. Jubiläum feiern wird. Dann soll die von Konstrukteur Rudolph Kaiser erdachte Flugmaschine, die am Himmel über Oerlinghausen ihre Kreise zieht, den Verein als "rüstige alte Dame" mit Denkmal-Plakette schmücken.

Die Geschichte der Ka 8, deren Vorgänger noch blumig "Rhönlerche" oder "Rhönschwalbe" genannt wurden, beginnt 1957, als Konstrukteur Kaiser den "Schulungs-Einsitzer" für die Firma Schleicher in Poppenhausen an der Wasserkuppe zeichnet.
Der Name Ka 8 leitet sich aus den ersten Buchstaben Kaisers ab. Der Erstflug findet am 27. November 1957 statt.
In Herford entsteht die Ka 8b in Handarbeit, denn ein flugbereites Flugzeug für 8.000 Mark können sich die Segelflugbegeisterten nicht leisten. Ein Bausatz muss her, finanziert von den Vereinsvorsitzenden. Start des Zusammenbaus ist 1959 an der Luisenstraße. Doch noch während des Baus zieht die Mannschaft an die Bismarckstraße um.
Ein Jahr lang werkelten und schraubten die Flieger an Rumpf und Flügeln. Lediglich der Stahlrohr-Rumpf und die Flügelholme kamen als Fertigteile von der Firma Eichelsdörfer. Nach der Schule baute die Schüler-Fluggemeinschaft an den vielen Rippen, die dann abends von den Erwachsenen auf die Flügelholme montiert wurden. Am 4. Juni 1961 nahm der Prüfer den Rohbau ab, einen Monat darauf, am 2. Juli, erfolgte die Endabnahme in Oerlinghausen. An diesem Tag machte Fluglehrer Heinz Monke die ersten drei Starts – die Herforder Ka 8b mit der Kennung D-5727 war flugtüchtig.
Zunächst stieg der weiß-rote Vogel nur in Oerlinghausen auf. Am 13. August 1961 ging es auf den ersten Überlandflug nach Bad Nenndorf – Entfernung 70 Kilometer. Die Ka 8B, die als Schulungsmaschine für A-Piloten dienen sollte, wurde immer häufiger von alten Hasen für den Streckenflug benutzt. Mit ihren Flugleistungen lag sie dicht an der Ka 6, mit der Fred Weinholtz Landesmeister wurde.
Dieser Erfolg wurde 45 Jahre später mit der inzwischen angejahrten Maschine noch einmal im bundesweiten Jugendvergleichsfliegen wiederholt. In der Zwischenzeit hatten sich viele Segelflieger die Luft in vielen Teilen Europas in der Ka8B um die Nase wehen lassen. 1983 stand bereits der 9.000. Start der "alten Dame" an. Bis Frühjahr 2009 summierte sich diese Zahl auf mehr als 15.000 mit insgesamt 6.700 Flugstunden.
Ob die Denkmal-Plakette an der 2003 auf den Namen "Edith und Fred" getauften Maschine angebracht wird – darüber entscheidet der Bauausschuss am 14. April in seiner Sitzung. Dessen Vorsitzender Werner Seeger sieht keine Probleme, will sich notfalls dafür einsetzen.
Quelle Neue Westfälische Zeitung 25.03.2011 http://www.nw-news.de/lokale_news/herford/herford/4330221_Ein_fliegendes_Denkmal.html